INTERESSANTES


Natürlich gibt es auch über Taubenheim verschiedene Sagen (erschienen in: Sagen der Oberlausitz, Nordböhmens und angrenzender Gebiete. Zusammengetragen von I. Neitzel und F. Nürnberger. Waltersdorf: Oberlausitzer Verlag A. Nürnberger, 1990, 1. Aufl.)

Die Schätze des Taubenberges

Das Innere des östlich von Sohland gelegenen Taubenberges soll der Sage nach reiche Schätze bergen. In diesem Berg vergruben in Kriegszeiten viele Leute ihr Geld und sonstiges bewegliches Gut, weil sie es hier, wo es ihrer Meinung nach vom Höllenfürsten selbst bewacht wurde, am sichersten glaubten.

Auch ein reicher Mann aus Böhmen vergrub in einer dunklen Nacht sein ganzes Vermögen im Taubenberg. Dabei sprach er die Worte: "Ich werde es nicht mehr holen, aber wenn einmal ein Junge zur Welt kommt, der schneeweißes Haar trägt, der soll den Schatz heben."

Der Krieg war zu Ende, allein das Geld blieb liegen, denn der Eigentümer war, wie er beim Vergraben seines Besitzes geahnt hatte, mittlerweile gestorben. Seine sonderbare Prophezeiung war in der Gegend bekannt geworden und wurde auf´s neue zum Tagesgespräch, als bald darauf in dem Dorfe Taubenheim wirklich ein Knabe mit schneeweißem Haar zur Welt kam.

Das Kind wuchs zum Jüngling heran. Kaum hatte er das zwanzigste Lebensjahr erreicht, so gewahrte er von Stund an ein graues Männchen neben sich. Es machte ihm eines Tages die Mitteilung, dass er dazu bestimmt sei, die Schätze des Taubenberges zu heben. Er solle sich nur hinaufbegeben, bei der Steinklunse würde er den Schatz finden.

Der Bursche erwiderte seinem geisterhaften Begleiter, dass er sich allein fürchtete. Da erlaubte ihm das Männlein, seinen Nachbar zu der Schatzhebung mitzunehmen.

Außerdem erteilte es ihm den Rat, mit geweihter Kreide um den Platz einen Kreis zu ziehen und das Christophorusgebet zu sprechen, dann werde der Schatz sichtbar.

Beide sollen aber nicht ein Wort über die Lippen bringen, möge geschehen, was wolle.

In der folgenden Nacht gingen die zwei den Berg hinan und handelten nach des Männleins Befehl. Da kam ein Reiter dahergesprengt, der sie fragte, ob sie nicht einen Herrn in einer Kutsche vorüberfahren gesehen hätten. Die beiden antworteten nicht. Bald darauf kam der Herr in einer Kutsche vorbei, der sie fragte, ob sie nicht einem Reiter begegnet wären. Die Schatzgräber verhielten sich der Worte des Männchens eingedenk auch diesmal ruhig. Jetzt prasselte ein Steinregen nieder, aber kein Stein traf sie. Danach erhob sich ein gewaltiger Sturm, der bog die Bäume, dass sie knarrten und ächzten. Eine mächtige Tanne neigte sich über beide Männer und drohte auf sie zu stürzen. Da konnte sich der Nachbar in seiner Angst nicht länger halten. Er brach in die Worte aus: "Jesus Maria, jetzt erschlägt´s uns." In diesem Augenblick verschoben sich die Felsen, die Erde öffnete sich und die Männer erblickten eine große Kiste, worauf ein Jägersmann saß. Ehe die zitternd dastehenden Schatzsucher näherkamen, war alles wieder verschwunden. Um sie hreum lag die Stille, friederfüllte Nacht wie vorher, kein Laut vernahm ihr Ohr mehr.

Schweigend stiegen die beiden Jünglinge in ihr schlafumfangendes Dörfchen hinab.

Von jener Nacht an zeigte sich der Bursche wie umgewandelt. Scheu und schweigsam verrichtete er sein Tageswerk, denn immer vernahm er neben sich ein Gewinsel, das ihn selbst im Traum nicht verließ.

Nach zwei Jahren starb er. Der Schatz liegt heute noch in der Tiefe des Berges, denn niemand hat es gewagt, seine Hebung noch mal zu versuchen.

Der Nachbar des Verstorbenen war ein guter Freund des Laske-Christel, eines Gärtners in Rosenhain. Die beiden besuchten einander bisweilen. Als Laske wieder einmal seinen Taubenheimer Freund besuchen wollte, nahm er seinen Weg über den Taubenberg. Als er den Gipfel desselben erreicht hatte, gewahrte er ganz plötzlich ganz nahe vor sich seinen Freund. Welcher Schreck erfasste ihn aber, als er bemerkte, dass demselben die Beine fehlten! In dem Augenblick, wo sie sich sahen, war die Erscheinung verschwunden.

Laske-Christel ging eiligst weiter. In der Behausung seines Freundes traf er diesen als Leiche an. Er war in demselben Augenblick gestorben, als ihm auf dem Berggipfel der Oberkörper desselben erschienen war.

Von dieser wunderbaren Begebenheit soll Laske noch als alter Mann gesprochen haben, wenn von Anzeichen die Rede war.


Der Wacheberg in Taubenheim

An einem Feiertage gingen Leute, die am Wacheberg wohnten, auf den Wacheberg. Als sie vorbeilaufen wollten, sahen sie, dass sich der Berg auftat. Und in dem Berge war eine Braupfanne mit Gold. Aber es war nicht um die Geisterstunde. Da schloß sich der Berg wieder. Als das ein Bauer erfuhr, spannte er einen Schimmel vor den Wagen, nahm Schaufel und Rodehacke und noch einen Einwohner mit und trabte um die Geisterstunde los. Als sie fast die Höhle erreicht hatten, rief der eine: "Ho, hü!" Da kicherten die Geister: "Ha, ha!" und der Reiter ohne Kopf fegte an ihnen vorbei. Jetzt grauste es beiden. Und sie fuhren wie der Teufel den Berg hinunter. Auch Irrlichter flackerten im schnellen Fluge um den Berg, und Drachen flogen, von Ellersdorf kommend, über die Höhe, fuhren nach bestimmter Aussage der Leute in einzelne Häuser des Dorfes und hinterließen einen langen, feurigen Streifen am Himmel.


Die Sage vom Bettelmannstein

"Ich steh als Bettler, alt und arm,
ich trag mit mir nur Leid und Harm,
und bin verbannt in Menschenmund,
mein herz ist Liebe und doch so wund."

Versteckt am Waldwege von Taubenheim nach Schluckenau (Sluknov) am Osthange des Taubenberges, dort, wo die "Lange Wiese" den Fußpfad begleitet, träumt ein glattgewaschener und verwitterter Granitblock, der Bettelmannstein.

In Kriegszeiten oder bei Hungersnot durchzogen Scharen von Bettlern das Land, begehrlich bettelnd, lungernd, hungernd, verhungernd.

So wanderte einst ein alter Landstreicher von Taubenheim nach Schluckenau. Eine große Hungersnot war im Lande. Jeder fürchtete sich vor dem grässlichen Gespenst des schleichenden Todes und dachte zuerst an sich und die Seinen.
Abgewiesen, entkräftet schleppte sich der Alte mühselig weiter. Dem sonst so marschgewohnten Mann zitterten die Knie, dunkel wird es ihm vor den Augen. Da, ein glatter Granitblock mit weichem Moos bewachsen. Hier ruht sich´s gut! Wie oft schon war der Wald seine Kammer und das Moos sein Bett!
Am frühen Morgen finden ihn Steinbrucharbeiter eingeschlafen. Er hatte sich auf die ewige Wanderschaft begeben. Sie tragen ihn hinunter auf den kleinen Friedhof, den namenlosen Unbekannten, und betten ihn in die kühle Erde. Niemand beweint und betrauert ihn hier, in seiner Heimat sagt man: "verschollen". Kein Kreuz auf dem Grabe gibt Kunde von dem Schläfer. Doch das Kreuz, das Sinnbild des Leides, des Todes und der Hoffnung, das meißelte ein Steinmetz auf dem kalten Sterbelager ein, dem Unbekannten und dem Vorübergehenden zum Gedenken, so wie es die alte Sitte will.

Das ist die Sage vom Bettelmannstein, die in ihrer Schlichtheit und Kürze für ihre Echtheit selbst spricht.

Wenn im Sommer unheimliche Schwüle sich über das Dorf Taubenheim legt, wenn schwarze Wolken sich im Süden auftürmen und die finstere Wolkenwand über den Bettelmannstein hereinbricht, dann zittert das Dorf. Wohl selten zieht ein Gewitter über den Bettelmannstein ohne den roten Hahn herein.
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